Ballista -

die Fernwaffe der alten Römer

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Kurzer historischer Überblick:                                                                                                                                                                

 

Wie so viele Dinge übernahmen die Römer auch die Katapulte von den Griechen. Etwa 400 v. Chr. tauchten die ersten Wurfmaschinen auf, die ihre Kraft aus übergroßen zusammengesetzten Bögen schöpften. Als diese nicht mehr zu vergrößern waren, ging man zum Torsionsprinzip über. Die federnden Bogenarme werden durch starre Wurfarme ersetzt, die in vorgespannten Seilbündeln steckten. Diese Kraftquelle wurde sowohl bei Pfeilkatapulten als auch bei Steinwerfern angewandt und fand seine erste große Verbreitung zur Zeit der großen Makedonen Philipp II und Alexander. Die Waffen wurden immer weiter entwickelt und es gab Formeln und Bauanleitungen, mit deren Hilfe es möglich war, aus Pfeillänge bzw. Steinkugelgewicht ein Grundmaß zu ermitteln und schließlich den ganzen Katapult zu konstruieren. Die Schriften von Heron, Philon und Vitruv beschreiben die Schleuderartillerie der Antike so gut, daß es am Anfang dieses Jahrhunderts Erwin Schramm möglich war, nach diesen Quellen und wenigen bildlichen Darstellungen die weithin bekannten Katapultrekonstruktionen für die Saalburg zu bauen. Sein Palintonon (Steinwerfer) erstellt er unter Zusammenfassung aller schriftlichen Quellen von den Griechen bis zu den Römern. Das Konstruktionsprinzip war etwa 300 - 400 Jahre gültig. Trotz der hervorragenden Arbeit Schramms, die auch in jüngster Zeit nur wenig korrigiert werden mußte, geistern bis heute technisch falsche Abbildungen und Illustrationen durch die Literatur. Selbst Peter Connolly und A. McBride sind davon nicht ausgenommen. Warry zeigt dagegen eine sehr überzeugende Rekonstruktion. Was sich aus den Schriften und Nachbauten erschließt, konnte bisher für den hellenistischen Steinwerfer leider nicht durch Originalfunde untermauert werden. Teilweise dienen die Katapultnachbauten der Römergruppen der Erweiterung des Kenntnisstandes. Wohl vor allem aus Kostengründen fallen diese Maschinen jedoch relativ klein aus. Die Balliste der Opladener Römergruppe ist ein römischer Acht-Pfünder (2,6kg). Vitruvs größte Angabe sind 360 römische Pfund (117,9kg), möglicherweise ein rein theoretischer Wert. Ob je gebaut, wird wohl nie Gewißheit werden. Dagegen spricht Josephus (Judäischer Krieg) von Ballisten, die „talentschwere Steine“ schleuderten und ein Talent sind immerhin 26,2 Kilogramm. Josephus berichtet in seinem Buch auch über Einsatz und Wirkung schwere Steinwerfer. Die Lektüre dieses Buches ist jedem Altertumssammler, der Schleuderartillerie darstellen möchte, sehr zu empfehlen. Zum Teil übertreibt er in dichterischer Weise und führt dabei deutlich die furchtbare Wirkung dieser Waffen vor Augen. Analog dazu sind im Mittelalter, nicht ohne Grund, die ersten Steinwurfmaschinen (Blide) als „teuflische Werkzeuge“ bezeichnet worden. Gegen fliegende halbe und ganze Zentner gab es eben wenig Gegenmittel.

 

 

 

Balliste und Zinnfigur:

 

Antike Geschütze sind bei den Zinnfiguren leider nur sehr wenig vertreten. Möglicherweise ist die Kompliziertheit der Materie und die zum Teil schlechte Vorlagenqualität Schuld daran. Vielleicht schreckte auch die Größe der Steinwerferungetüme manchen Sammler und Herausgeber von der Darstellung ab. Einige Figuren und Gruppen sind nett anzuschauen, stellen aber nicht mal Schramms Kenntnisstand dar. Von den älteren Figuren ist als Balliste nur die Type 51b von Ochel zu empfehlen. Diese auch eher kleine Wurfmaschine wurde offensichtlich nach einer Abbildung bei E. Schramm geschaffen. Die Figur weist jedoch einen kleinen Makel auf, da sich der Wurfarm nicht in der Mitte des Seilbündels befindet. Schade! Denn wegen der großen Kräfte, die dadurch nicht im Gleichgewicht waren, wird die Maschine wohl nicht geworfen haben. Auch entspricht die Figur ganz Schrammscher Meinung, daß Steinwerfer „Steilbahnwurfgeschütze“ waren, also eine Neigung von 40°- 45° besaßen. Neuerdings vertritt D.Baatz die Meinung, daß der direkte Schuß nicht nur bei Pfeilkatapulten Anwendung fand, sondern auch Ballisten so eingesetzt wurden. Seit kurzer Zeit liegt nun mein „Schwerer Steinwerfer“ als halbplastischer Bausatz vor. Gedacht ist die Figur für die Zeit von 100 v. Chr. bis etwa 100 n. Chr. und stellt die römische Ausführung des Steinwerfers dar. Die Argumente von Baatz haben mich bewogen, zwei verschieden hohe Untergestelle zu machen, so daß die Balliste mit 25° und 35° Neigung aufgestellt werden kann. Die günstigste Gefechtsentfernung soll für Steinwerfer bei 50- 150 m gelegen haben und dafür war nach Baatz nur ein Abwurfwinkel von höchstens 10° nötig. So können in Abhängigkeit von Geländeprofil und Höhe des angenommenen Zieles mit der halbplastischen Ballista Belagerungsszenen realistisch belebt werden. Immerhin warfen bei der Belagerung Jerusalems durch drei römische Legionen im Jahre 70 n. Chr. rund 180 Pfeilkatapulte und 30 schwere Steinwerfer ihre Geschosse gegen die Stadt. Diese Schleuderartillerie sollte also bei keiner größeren Belagerungsszene fehlen.

 

 

 

Gerald Nadebor

Pearl-S.-Buck-Str.11/1

73037 Göppingen

Germany

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